Computer, Tablets und Smartphones haben viele Vorteile, oft wird die digitale Technik aber auch zur Last. Heute ist Jan Eßwein, Experte für Achtsamkeit,  zu Gast auf dem TYTOBLOG. Er verrät uns, was sich hinter digitalem Detox verbirgt.

Was bedeutet digitales Detox?Jan Eßwein, E xperte Achtsamkeit, Stressfalle

Jan Eßwein: Dass Sie für eine gewisse Zeit bewusst darauf verzichten, digitale Medien und elektronische Technologien zu nutzen. Dazu zählen Ihr Smartphone, Ihr PC, Tablet aber auch der Fernseher.

Bringt das wirklich was?

Eßwein: Wir leben in einer digitalisierten Welt, statt Postkarten versenden wir Nachrichten via WhatsApp, wir bezahlen mit dem Smartphone und nutzen Apps statt Bücher. In einem Jahr nehmen wir dabei so viele Informationen auf, wie vor dem Internetzeitalter in einem ganzen Menschenleben. Das Problem: Unser Gehirn hat sich nicht grundlegend verändert. Es muss all die Informationen schlucken, filtern, verarbeiten, darauf antworten. Und das bedeutet Stress. Folge: Viele Menschen klagen über die ständige Erreichbarkeit, ihre Konzentrationsfähigkeit nimmt ab, psychische Erkrankungen nehmen zu. Wenn sie anfangen, digitales Detox zu praktizieren, spüren sie sehr schnell, dass sie im Alltag ruhiger und fokussierter werden. Sie werden bemerken, wie wohltuend es ist, aus dem reaktiven Modus herauszutreten und sich verstärkt auf ein proaktives Denken und Handeln, auf ihre eigenen Impulse und Ziele, ausrichten zu können. Auch im Büro ist das extrem hilfreich, denn sie arbeiten wesentlich produktiver und werden kreativer.
Der Geist ist willig, aber wie so oft das Fleisch schwach.

Wie schaffe ich digitales Detox?

Eßwein: Nehmen sie sich nicht zu viel vor. Beginnen sie mit nur einer einzigen kleinen Veränderung, die gut in ihren Alltag passt. Versuchen sie diese über drei, vier Wochen beizubehalten und zur Gewohnheit zu machen. Wenn sie auf den Geschmack gekommen sind, nehmen sie eine weitere Kleinigkeit dazu.

Sie gelten als Experte für Achtsamkeit, was ist das?

Eßwein: Wahrzunehmen, was geschieht, während es geschieht. Ganz im Moment zu sein, sich bewusst wahrzunehmen, aber auch die Situation und ihr Gegenüber. Viele Menschen haben diese natürliche Fähigkeit verlernt, leben überwiegend auf „Autopilot“ und sind mit dem Kopf nicht bei dem, was sie körperlich tun. Digitales Detox ist übrigens sehr unterstützend für Achtsamkeit, denn es hilft dabei, sich mehr auf die Situation, in der sie sich befinden, zu konzentrieren.

Inwiefern kann jemandem ein Achtsamkeitstraining helfen?

Eßwein: Wann standen sie das letzte Mal unter der Dusche und spürten bewusst, wie das warme Wasser über Ihre Haut rinnt und haben diesen Moment so richtig genossen? Ein Achtsamkeitstraining hilft Menschen, die wertvollen Momente des Lebens wirklich zu genießen. Achtsamkeit hilft, glücklicher zu sein und mit den Anforderungen des Alltags erfolgreicher umzugehen.

Ein einfacher Tipp, wie sich mehr Achtsamkeit ins Leben bringen lässt?

Eßwein: Eine gute Alltagsübung ist achtsames Essen. Schalten wie alle Ablenkungen wie Fernseher oder PC ab und nutzen Sie all Ihre Sinne, um Ihre Mahlzeit bewusst wahrzunehmen. Während Sie kauen, legen Sie das Besteck aus der Hand und konzentrieren sich nur auf das Kauen und den Geschmack. Für den Anfang ist es vollkommen ausreichend, wenn Sie diese Übung mit nur einem Bissen pro Tag machen.

 

Digitales Detox – sieben Tipps zum Ausprobieren

  1. Schalten Sie beim Autofahren das Radio aus, zumindest während der ersten fünf Minuten der Fahrt und konzentrieren Sie sich voll auf den Weg – aufs Fahren.
  2. Starten Sie Ihren Arbeitstag nicht, indem Sie versuchen, Ihre E-Mails schnell zu überblicken. Fragen Sie sich stattdessen: Was sind heute meine wichtigsten Ziele? Was möchte ich auf jeden Fall erreichen? Nehmen Sie sich eine halbe Stunde Zeit und machen Sie sich Notizen auf einem Blatt Papier, ganz analog.
  3. Schalten Sie Signaltöne und optische Benachrichtigungen für eingehende Mails, WhatsApp- und Messenger-Nachrichten sowie SMS an Smartphone, Tablet und Computer ab.
  4. Lassen Sie während eines Spaziergangs oder bei einer Verabredung Ihr Smartphone zu Hause oder im Auto.
  5. Machen Sie mithilfe der App „Moment“, die Ihre Smartphonenutzung analysiert, ein Spiel daraus: Wie wenig kann ich das Smartphone nutzen?
  6. Lassen Sie in Meetings elektronische Geräte an der Tür abgeben. Sie werden staunen, wie effektiv und konzentriert die Besprechung vorankommt.
  7. Machen Sie einen Realitätscheck und fragen Sie sich: Was passiert im schlimmsten Fall, wenn ich zwei Stunden lang nicht erreichbar bin?

 

Jan Eßwein

Unternehmer, Speaker und Deutschlands meistgelesener Autor zum Thema Achtsamkeit.

Mehr über ihn im Internet: www.experte-achtsamkeit.com

 

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